Burn-out / Chance zum Heilen

Wenn der Druck übergroß  wird


Dies ist ein absolutes Herzens-Thema (ja, mal wieder). Aber mit der Zeit kristallisieren sich für mich immer wieder neue und alte Themen heraus, die ich unbedingt hier besprechen möchte. Burn-out ist eines davon. Denn es ist ein Teil von mir, von meiner Geschichte, meinem Seelenweg. Auch, wenn ich mich damals sehr dagegen gesträubt habe. Wer will schon einen Stempel aufgedrückt bekommen. Burn-out! Zu schwach! So sah ich das ganze. Denn vor mir waren schon mehrere Kollegen in Kur gegangen wegen diesem neumodischen Symptom. Ich wollte nicht so sein, wie die anderen. Schwach und jämmerlich! Ich sträubte mich mit Händen und Füßen dagegen, bis es irgendwann nicht mehr ging. Ich ständig nur noch krank geschrieben war. Da holte ich mir zum ersten Mal Hilfe. Und fand so  meinen ersten Therapeuten. 
Ich hatte wahnsinnige Angst davor hinzugehen und vor allem davor, mir die Blöße zu geben überhaupt einen zu brauchen. Aber wie es immer so ist, wenn man sich mal zaghaft outet, merkt man plötzlich, wie viele andere schon längst in einer Therapie waren. Für mich war es zum ersten Mal heilsam einen Raum zu haben, in dem ich geschützt mit jemandem sprechen konnte. Meine Gefühle und Gedanken alle ihren Platz fanden, ohne in Frage gestellt oder kritisiert zu werden. Er war ein sehr zurückhaltender, lieber Mann, dieser Therapeut und ich fühlte mich verstanden und sicher. Durch sein stilles Verständnis hatte ich erstmals in meinem Leben den Mut, einen großen Sprung zu wagen. Nämlich ins Blaue hinein zu kündigen. Auch, wenn alle anderen dagegen waren. Ich lernte zum ersten Mal, eigene Entscheidungen zu treffen und diesem Gefühl in mir zu vertrauen. Das war der Beginn eines völlig neuen Lebensabschnittes!

 

Burn-out ist, wie der Name es schon sagt. Man fühlt sich ausgebrannt, übermäßig erschöpft, manchmal vielleicht unzulänglich. Wir geben gerne die Schuld dafür unserem Arbeitgeber oder anderen Menschen, die etwas von uns erwarten. So ist es ja auch. Aber ich habe irgendwann auf meinem Weg erkannt, dass wir es selbst sind, denn wir lassen es zu. Weil wir einfach nie gelernt haben, dass wir Grenzen haben und das es gesunde Grenzen gibt. Außerdem, so war es bei mir, streben wir manchmal zu sehr nach den Dingen. Weil wir meinen, dass man uns dann mehr anerkennt, mehr liebt oder wir einfach besser da stehen. In der Gesellschaft, vor unserer Familie.
Ich wollte allen beweisen, dass ich sehr wohl etwas schaffen kann. Dass ich erfolgreich als Frau sein kann, obwohl ich schlecht in der Schule war und mir niemand wirklich ein Studium zutraute. Ich wollte gerne allen zeigen und sagen: "Seht her! Ich bin so was von gut!" Hinzu kam außerdem, dass bei uns in der Familie materieller Wohlstand sehr wichtig war. Man war eben das, was man hat. Ich wollte eine Stelle, bei der ich einen Firmenwagen bekam. Ich wollte ein dickes Gehalt, von dem ich mir tolle Designer Klamotten und eine tolle Altbau- oder Loftwohnung mieten konnte. Ich gab Gas ohne Ende in der Firma. Ich war innerhalb von den vier Monaten Praktikum schon festangestellt worden, als Design Assistentin. Zwei Jahre später war ich Junior Produktmanagerin. Mit vielen Auslandsreisen und einem Blackberry. Dass das alles gar nicht so toll war, merkte ich relativ schnell. Denn hast du einmal so ein Handy, dann musst du am besten vierundzwanzig Stunden am Tag erreichbar sein. Du musst beweisen, dass du das Geld und Vertrauen, was die Firma in dich investiert, auch wert bist. Der Druck der Firma war definitiv da. Es galten nur die Verkaufszahlen. Alles andere war völlig egal. Ich habe in den fünf Jahren in diesem Weltunternehmen erlebt, dass Kollegen über Nacht verschwunden waren. Der Schreibtisch war blank am nächsten Tag, als wären sie nie da gewesen. Abfindung und raus. Das war meine größte Angst. Nicht gut genug zu sein und so abserviert zu werden. Der Druck, den ich mir selbst dabei machte war einfach riesengroß. War zu viel für eine einzelne Person. Ich arbeitete manchmal vierzehn Stunden am Tag. Und wurde über lange Zeit darüber krank. 
Ich hatte nie gehört, dass ich auch geliebt wäre, wenn ich schlechte Schulnoten hatte. Für mich war die Messlatte immer nur Glanzleistung, sonst bist du nichts. Das ist aber niemals wahr. Eltern üben einen übermäßigen Druck aus, wenn sie von ihren Kindern Perfektion erwarten. Oder immer nur tolle Noten. Ich wusste nicht, dass ich gut war, wie ich war. Ich glaubte, allen etwas beweisen zu müssen. Dies zusammen mit der Schnelllebigkeit und dem Druck des ganzen Wirtschaftssystems, kann auf Dauer niemand aushalten. Deswegen gibt es immer mehr junge Menschen, die schon früh an Burn-out leiden. Sie werden alle verheizt, weil alles schneller, besser, günstiger und jünger sein muss. Am liebsten würden Firmen eh nur mit jungen Menschen arbeiten wollen. Am liebsten nur mit Männern, da sie niemals schwanger werden. Das alles sind Anforderungen, denen wir als Seele niemals gewachsen sind. Sie sind unrealistisch und unmenschlich. Aber was ist heute überhaupt menschlich, wenn alles von Menschen erschaffen ist?

 

Burn-out ist keine Krankheit in dem Sinne. Es ist ein erschöpft sein. Es ist etwas Natürliches und Menschliches, weil wir einfach Grenzen haben. Es ist auch ein Hilferuf unserer Seele. Und deswegen die große Chance für uns, inne zu halten und damit einen neuen Weg einzuschlagen. Das Ausgebrannt sein zeigt uns auf, wo wir einem Irrglauben folgen. Die Wahrheit über das Leben und uns selbst ist eine ganz andere. Um wirklich zu heilen brauchen wir eine liebevolle Anleitung. Jemand, der uns die Wahrheit sagt. Der uns im Übergang unterstützt. Leider hatte ich das damals so nicht. Es hat viele Jahre gedauert. Aber ich habe meinen Weg gefunden und irgendwann verstanden. Jeder geht da seinen persönlichen Weg. Aber hätte ich jemanden gehabt damals mit der Erfahrung, die ich heute habe, es hätte mir geholfen. Denn ich wusste nicht, was mir dieses Burn-out sagen sollte. Denn ich trieb mich auch die ersten Jahre nach meinem Austritt aus der Firma zu Höchstleistung. Es ging auf andere Art und Weise weiter. Einfach, weil mir immer noch niemand gesagt hatte, dass ich geliebt bin. Dass ich gut bin, wie ich bin! Das ist für mich der absolute Schlüssel zur Heilung. Es gibt kein Muss, es gibt keine Messlatte, keine Erwartungen. Dies alles ist nicht wahr, denn all das ist nicht liebevoll. Sondern nur geboren aus dem Ego und diesem System, was uns alle steuern möchte, zu seinem Vorteil und seinen Bedingungen. Wir alle aber sind Kinder der Erde und unsere Seelen wollen in der Zeit hier, auf diesem eigentlich wunderschönen Planeten, menschliche Erfahrungen als Erdenkind machen. Wir leben fernab von diesem göttlichen Plan, der für uns alle bestimmt ist. Wenn wir wissen, dass wir einfach sein dürfen und immer geliebt sind, dann haben wir dieses Auffangnetz unter uns, dass uns frei von jeder Angst sein lässt. Dann wissen wir, wer wir sind und was wir wollen. Wir haben ein gesundes Selbst Bewusstsein und gesunde Grenzen. All das sollten wir von klein an lernen. Aber spätestens in der Schule geht alles mehr und mehr verloren. Denn ab dann spätestens sind wir ein Teil des Systems. Dass heute Kinder noch schneller Abitur machen lässt, damit sie noch schneller in die Industrie können. Hinein in die Falle. Weil wir alle glauben, dass wir nur an unseren Leistungen und unserem Wohlstand zu bemessen sind. Das ist eine traurige Illusion!

 

Die Erde braucht mutige Seelen. Die sich trauen anzuhalten und nach innen zu schauen. Die aufwachen und erkennen. Und sich für sich selbst entscheiden. Die endlich wieder lernen, dass sie geliebte Kinder sind. Seelen, die ihren Seelenweg gehen sollen und wollen. Aber alle laufen allen hinterher. Es wird zu wenig hinterfragt. Zu sehr vertraut und zu sehr gekuscht. Sich angepasst. Weil die meisten glauben, dass es anders nicht geht. Aber dann brennen unsere Seelen. Dann brennen wir uns weiter aus, weil wir das ganze Spiel mitmachen. Ein Spiel zu welchem Preis? So hoch kann kein Gehalt, kein Preis sein, dass es dies rechtfertigt. 

 

Falls ihr persönlich betroffen seid oder liebe Menschen kennt, die betroffen sind und ihr Fragen habt, dann fragt mich gerne. Ich werde in der nächsten Zeit noch einen Podcast dazu machen. Darin werde ich versuchen noch ein bisschen mehr von meinem Heilungsweg zu erzählen.

 

Alles Liebe, 

Simone xx

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Kommentare: 1
  • #1

    Kersti (Freitag, 08 März 2019 00:17)

    Liebe Simone,
    Danke dass du von deiner Erfahrung berichtest. Mir erging es ähnlich. Als der Leidensdruck nicht mehr aushaltbar war, holte ich mir Hilfe zur Selbsthilfe. Seit ich nun weiß, was mir in meinem thempo gut tut, und ich nicht mehr für „andere“ funktionieren muss, heilt meine Seele immer mehr.

    Ich wünsche dir und allen betroffenen , einen achtsamen Weg in die glückliche Zukunft.
    Lg