Sensibilität - Wie ich damit lebe

sensibel sein ist etwas sehr wertvolles


Diesen ersten Satz, als Überschrift oben groß geschrieben, möchte ich direkt als Leitfaden nehmen. Denn wer kennt es nicht, diesen Ausdruck, dass man zu sensibel ist? Und damit fühlt man sich sofort schwach. Als wäre es schrecklich feinfühlig zu sein. Zu zart besaitet für die Welt.

Ja, oftmals sind wir das vielleicht sogar. Aber nur, weil wir die Wahrheit hinter allem (noch) erspüren und fühlen können. Sensibilität kann sich in vielerlei Hinsicht ausdrücken. Im Grunde in all unseren Sinneswahrnehmungen. Ob im Fühlen, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten... Was auch immer es ist. Sensibilität macht uns feinfühlig. Empfindsam. In all diesen Worten steckt es schon drin. Das Zauberwort Fühlen! Etwas, dass viele Menschen, ja die meisten, nicht mehr können, sich verbieten oder abgewöhnt haben. Traurig, aber wahr. 

Wenn man hochsensibel ist, dann kann man Energien spüren. Ereignisse vorher erahnen. Vieles riechen und schmecken, was für die Mehrheit nicht wahrzunehmen ist. Dies ist ein Geschenk. Kann aber auch zu einer Belastung werden, wenn all diese Eindrücke und Empfindungen permanent auf einen einstürzen. Wenn man einfach alles so vielschichtig wahrnimmt.
Für mich war es viele Jahre meines Lebens eine enorme Belastung. Allem voran ging aber das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich fühlte, dass ich anders als andere Menschen war und deswegen verstand auch meist keiner, was einen belastete. Über meinen Geruchssinn und mein scharfes Gehör machten sich alle immer wieder lustig. Manchmal im positiven Sinn, oft war oder ist es für andere aber einfach nur anstrengend und nervig. Denn alle Gerüche sind für mich gefühlt tausend Mal so intensiv, wie für die meisten meiner Mitmenschen. Bei synthetischen Düften, wie in Parfüms und Waschmitteln, könnte ich oft durchdrehen. Beziehungsweise dreht sich mein Magen dann in mir rum.

Aber das nur am Rande. Denn was für mich die wahre Sensibilität ausmacht und was für mich auch die wahre Belastung war, ist, dass ich alle Energien fühlen kann. Von jeder einzelnen Person.

Vor einigen Jahren wunderte ich mich, dass ich oft von Besuchen völlig ausgelaugt nach Hause kam. Hatte ich mich doch so auf das Treffen gefreut, so überlegte ich mir danach oft, ob ich überhaupt noch mal hingehen wollte. Weil alles an mir zog und ich oft später kaum wieder in meine Kraft und Energie fand. Ich verstand irgendwann, dass ich die Energie der anderen Personen nicht nur fühlte, sondern sie mich belasteten. Denn die Wahrheit ist, wir alle senden Energie aus und diese ist immer präsent. Wahrnehmbar. Viele Menschen mag das nicht beeinflussen. Aber ich glaube, dass letzten Endes doch mehr Menschen unbewusst dies aufnehmen oder wahrnehmen und nur nicht wissen, was es ist.
Mein Wissen um die Energie und meine Sensibilität half mir zwar, mich selbst besser zu verstehen. Aber ich konnte einfach nichts dagegen machen. Ich wusste schon vorher, dass wenn ich irgendwo hingehen würde, dieser ganze Energiemüll auf mich einstürzen würde. So sehr ich versuchte stark zu sein, es nützte lange nichts. Ich versuchte Treffen zu vermeiden. Wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben. Aber die Lösung ist es natürlich nicht. Lustigerweise merkte ich irgendwann, dass das auch mit Tieren funktionierte. Dass ich ebenfalls ihre Energie erfühlen konnte. Ob sie glücklich waren oder eher nicht. Ob sie Bedürfnisse haben, die ihre Besitzer nicht wahrnehmen.  Das machte mich zutiefst unglücklich, da ich einfach nichts dagegen tun konnte. Was hätte ich auch machen sollen? Ich konnte nicht jedem und allen helfen.
Die Gabe der Sensibilität zu nutzen, ohne dabei zu leiden, ist gar nicht so leicht. Ich habe erst mit der Zeit gemerkt, je stärker ich in mir wurde, je selbst bewusster ich in mir wurde, dass ich die Energie bei den anderen lassen konnte. Dass sie plötzlich nicht mehr in mich eindrang und mich verschlang. Egal, ob jemand nervös ist oder sehr traurig, depressiv oder schlecht gelaunt. Heute bleibt alles dort, wo es ausgesendet wird. Ich schenke Zeit, höre zu, gebe vielleicht eine kleine Inspiration, vor allem aber Verständnis. Alles Formen der liebevollen Zuwendung. Und bleibe gleichzeitig ganz feste bei mir und in mir. Ich weiß nicht, ob man es lernen oder trainieren kann. So etwas hat bei mir eigentlich nie funktioniert. Denn ich habe an mir selbst gemerkt, dass man nichts erlernen kann, sondern hinein wächst. Dass es Zeit braucht und dass es mit mir selbst zu tun hat. Denn alle anderen dürfen so sein, wie sie wollen, aber ich kann Grenzen ziehen. Auch diese unsichtbare Grenze, die Energie von mir fern hält. Nicht, weil ich gemein bin. Sondern, weil ich gut für mich sorge. Ich lasse nie jemanden einfach im Regen stehen. Aber ich weiß heute, dass das, was ich fühle, oftmals eben nicht meine Wahrheit, meine Energie ist. Wichtig finde ich dabei auch, dass man nicht mitleidet. Das ist etwas, was ganz schnell passiert. Gerade bei Tieren ging ich immer sehr schnell mit ins Leid und hätte am liebsten die ganze Auffangstation adoptiert. Solche Tatsachen und Bilder können einem leicht und schnell alle Energie ziehen. Heute bin ich nicht abgebrüht oder gefühlskalt. Ich weiß, dass ich Grenzen habe. Dass ich nicht jedem helfen kann. Und doch kann ich mit meiner Energie sehr viel bewirken. Ich kann nämlich meine ruhige, starke, liebevolle Energie anderen senden oder einfach hinüber fließen lassen. Dazu muss ich nichts machen, außer ich selbst sein. Das passiert ganz von allein. Aber manchmal schenke ich auch Energie, durch Hand auflegen oder sende sie im Geiste aus. Das kann ich mit allen Lebewesen machen. Auch mit den Tieren im Auffanglager. Ich kann ihnen sagen, ich sehe euch und ihr seid wunderbare, tapfere Geschöpfe. Und schicke ihnen damit ganz automatisch meine liebevolle Energie.

Sensibilität wird oftmals mit Medialität in Verbindung gebracht. Aber ich weiß immer noch nicht, ob ich dieses Wort in dem Zusammenhang wirklich mag. Ich finde Sensibilität etwas sehr Schönes. Etwas Helles, Großes, Lichtes, Liebevolles.... Sensibilität ist für mich auch in ganz großer Weise ausdehnbar. Es geht für mich hin bis in übersinnliche Fähigkeiten. Denn diese haben für mich auch nur mit Energie und Feinfühligkeit zu tun. Ich kann heute gezielt mit meiner Energie arbeiten und wirken. Ich kann energetische Schutzschilde aufbauen. Energie versenden. Und sogar hinein fühlen und schauen. Dies alles wächst mit der Zeit. Ich würde mir nicht anmaßen zu behaupten, dass man es lernen kann. Es ist in uns, ja, aber wir können es nur erinnern, erwecken und langsam in uns wirken lassen. So ist meine Erfahrung. 
Wichtig finde ich auch noch, dass es immer nur zum Einsatz kommen sollte, wenn man absolut sicher ist, nur zum allgemeinen und höheren Wohl zu handeln. Es sollte niemals missbraucht werden, sei es aus irgendwelchen egoistischen oder ängstlichen oder bedürftigen oder selbstdarstellerischen Bedürfnissen. Das wäre absolute Übergriffigkeit. Und manchmal tut weniger nicht nur dem anderen, sondern auch einem selber besser.

 

Abschließend kann ich nur noch sagen, dass zu meinen Erfahrungen der letzten Jahre gehört, dass sich Sensibilität in alle Teile des Seins ausdehnen. Je weiter ich auf meinem Weg gehe, je feinfühliger wird auch mein Körper. Mein Magen. Meine Nase. Meine Augen. Was leider manchmal auch zu einer Belastung für mich wird, weil ich nicht entspannt irgendwo in etwas reinbeißen kann. Das Erste, was ich tue ist immer riechen. Bevor ich etwas kaufe oder esse ist der erste Impuls riechen. Unter die Nase halten. Ich kann meist genau sagen, was drin ist. Da ich mich vegan ernähre, kann ich alle tierischen Produkte sofort entlarven und manchmal reicht der kurze Moment des Geruchs schon aus, um meinen Magen zu verdrehen. Auch das hat mit Energie zu tun, da alles Energie ist. Jede Frucht, jedes Gemüse, jede Zutat hat eine Energie. Mein Körper funktioniert in dieser Hinsicht, wie ein Detektor. Da brauche ich keine Analysen oder Stiftung Warentest. Energie ist fühlbar. Und ist in allem, was ist. 

Ja, ich empfinde mich manchmal wie einen Detektor. Ich merke, wenn jemand lügt, oder jemand einsam ist. Jemand leidet oder jemand nur Selbstdarstellung betreibt. Ich bin nicht enttäuscht oder wütend. Mir tun die Menschen meistens einfach nur leid. 
Es ist ein weiter Weg sich nicht in alles hinein ziehen zu lassen und sich alle Energie aussaugen zu lassen. Aber es ist möglich sich zu schützen. Durch die Stärke, die in uns ist. Durch Selbstliebe. Durch Mitgefühl ohne mitzuleiden.

Tatsächlich gibt es Energie - Vampire. Vor denen sei gewarnt! Aber die werdet ihr schnell enttarnen. Denn es sind absolute Wiederholungstäter. Denn sie sind richtige Junkies. Sie brauchen deine Energie.

 

Nehmt die Gaben, die ihr habt. Erinnert euch. Das gelingt am besten durch Stille. Stille in der Natur ist mein bevorzugtes Feld der Meditation. Aber ihr könnt auch an jedem anderen wohltuenden Ort in die Stille gehen. Denn da, wo keine Gespräche und keine Geräusche und andere Ablenkung stattfindet, kann etwas in uns erwachen und wachsen. Wir brauchen Raum in uns dafür.

 

Alles Liebe, 

Eure Simone xx

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