Reifer oder Älter?

Bilder via Pinterest


Niemals würde ich meine Haare färben! Das hatte ich mir geschworen. Nachdem ich in meinen Teenager Jahren und auch in den Anfang Zwanzigern gefärbt hatte. Alles mögliche, aber meist blondiert. Bis meine Haare irgendwann so dunkel von Natur aus waren, dass es absolut unpassend wirkte mit den hellblonden Strähnen. Da ruderte ich zurück und ging Back to the roots! Zu meiner Naturhaarfarbe und zu meiner Natur-Frisörin. Natürlichkeit war etwas, was ich mir mein Leben lang gewünscht habe. Ich wollte am liebsten nur mit Wasser auskommen. Ohne Styling, ohne Schminke. Aber dahin musste ich mich erst wieder bringen. Mich mutig befreien von Überzeugungen, die tief in mir verwurzelt waren. Denn ich komme aus einer Familie, wo man ohne Make-up weder das Haus verließ, noch beim Frühstück erschien. Wo das Aussehen sehr wichtig war. So entstand meine Überzeugung, dass ich von der Natur beungünstigt war und sehr viel verstecken und nachbessern musste.

 

Wenn ich heute von spirituellen Seelenschwestern ihre ehrlichen Berichte höre oder lese, dann machen wir fast alle die gleichen oder ähnliche Phasen im Leben durch. Gerade noch jüngere Frauen sind so sehr von den Medien eingenommen, von Musik- und Filmstars, die alle äußerliche Perfektion repräsentieren. Da gibt es kaum noch Tabus. Schnell eine Botoxspritze. Ein neuer Busen, aufgepolsterte Lippen, Haarverlängerungen, hier etwas wegschneiden, da etwas zufügen. Unzählige abartige Diäten. Und vor allem jede Menge Must-haves, die jeder in seinem Schrank oder am Körper haben muss. So durchlaufen wir doch oft Phasen des Unglücklichseins in jungen Jahren, weil wir noch glauben, anders sein zu müssen. Weil alle anderen immer schöner und perfekter sind als man selbst. Ein wahrer Terror für unsere arme Seele!

 

Ich sehnte mich eigentlich von Anfang an nach Natur pur. Alles hätte ich darum gegeben natürlich auszusehen und ungeschminkt auf die Straße laufen zu können. Dachte ich doch, damit würde ich nur alle erschrecken und war überzeugt von meinem mangelhaften Äußeren. Aber mit jedem Jahr, dass ich älter wurde, wurde ich gelassener und ließ mehr und mehr Produkte weg. Fand zu meiner natürlichen Einzigartigkeit. Schönheit vielleicht. Weil wir letzten Endes doch alle eine eigene Schönheit in uns tragen. Weil wir natürliche Geschöpfe sind, wo keiner mit mehr Hingabe geformt wurde, als der andere. Als ich akzeptierte, dass wir alle einmalig sind, Geschöpfe der Natur, da konnte ich das Äußere auch einfach lassen. Da wusste ich, dass wir unsere Seele sind. Die Liebe, die in uns wohnt. Wir nicht unser Körper sind. Er ist das Fahrzeug unserer Seele. Er schützt und transportiert unser wahres Selbst durch unser irdisches Leben. Nichts anderes ist unser Körper. Nur pflegen sollten wir ihn, da er für die Dauer unseres Lebens vital, gesund und geschmeidig bleiben sollte. Was kaum jemand schafft. Deswegen ist die innere Schönheit so wichtig. Weil wir damit unseren Körper jung und vital halten. Gesund! So, wie er geschaffen ist. Als perfektes Instrument!

Ich habe gelernt dankbar zu sein für meinen gesunden Körper. Für Beine, mit denen ich durchs Leben laufen, springen und tanzen kann. Auf denen ich meine Streifzüge durch die Natur machen kann. Meine Hände mit denen ich so viel Schönheit erschaffen kann, die als Ideen in mir schlummern. Augen, mit denen ich jeden Tag all die Wunder sehen kann, all die Schönheit der Natur. Ohren, die den Wind rauschen hören und die Vögel zwitschern. Ein Körper, der eines Tages noch meine Kinder austragen wird. Ein perfektes, lebendiges Instrument, was meiner Seele auf Erden dient und mir so viel ermöglicht. Wenn man lernt, sich selbst und seinen Körper so zu betrachten, dann kann man ihn nicht mehr weiter quälen. Weder mit hässlichen Gedanken, noch mit zu engen Jeans, die verdammt weh tun können, noch mit Operationen oder anderen Manipulationen. Dann will man seinen Körper nur mit Liebe füttern.

 

Jetzt bin ich im Juli einundvierzig Jahre geworden. Eine Zahl, die im Endeffekt nur besagt, wie lange ich auf der Erde bin. Ansonsten habe ich mit dieser Zahl nichts am Hut. Ich bin ich. Jeden Tag. Immer noch die Gleiche! Weil meine Seele nicht altert. Sie ist beständig! Und das bin ich!

Aber plötzlich, die letzte Zeit, nahm ich beim Blick in den Spiegel wahr, dass ich mich irgendwie verändert habe. Mir kam mein Gesicht grauer vor, so wie auch meine Haare. Alles farblos... Und das machte mich dann doch irgendwie traurig. Damit kam auch noch mal die Frage auf, würde ich meine Haare färben? Soll ich mir eine Augencreme kaufen? Kann ich akzeptieren, so zu sein? Oder will ich doch etwas ändern?

Obwohl ich andere Überzeugungen habe...?!

Nein! Ich werde nichts ändern! Denn ich bin diejenige, die immer gesagt hat, dass altern etwas wunderschönes ist. Dass wir von Natur aus immer am schönsten sind. Weil alles natürlich aufeinander abgestimmt ist. Ja, wir werden im Alter um die Augen herum ein wenig blasser, aber das passt perfekt zu unserem Haar, was eben auch Strähne für Strähne seine Farbe verliert. Und somit harmoniert alles zusammen und macht uns in jedem Moment schön. Ich würde mich nur ärgern, wenn meine Haare plötzlich wieder dunkel wären und ich mir dadurch noch blasser vorkäme. Das ist einfach ein natürlicher Prozess, dem wir uns alle nicht entziehen können. Das einzige was wir tun können, ist unseren Körper pflegen. Ihn wertschätzen und lieben. Mit natürlichen Mitteln, die uns gut tun und gesund halten. Vor allem, nicht vergleichen. Denn das war bei mir jetzt der Fall. Um mich herum so viele junge Frauen, die mit Anfang zwanzig natürlich anders aussehen. Ich war ja auch mal so jung/alt... Und zurück will ich nicht. Niemals!

 

Meine Haare reichen im Moment bis in die Taille! Ein Traum, der endlich wahr wird. Und sie dürfen auch noch gut zehn Zentimeter wachsen. Deswegen habe ich mir immer vorgestellt irgendwann so auszusehen, wie die Frauen auf den Fotos, die ich bei Pinterest gefunden habe. Und ob ihr es glaubt oder nicht, meistens kann ich es gar nicht erwarten, dass meine Haare so schön weiß werden. 

Wir werden nur reifer. Niemals alt. Denn wir reifen an unseren Erfahrungen, an unserer Weisheit, wenn wir denn weise werden mit den Jahren. Weisheit und Liebe zieht tatsächlich in unsere Zellen ein. Lässt uns strahlen und verjüngt unser Aussehen. Denn, wenn wir verbunden sind mit den inneren Welten und kosmischen Kreisen, dann haben wir erkannt, warum wir hier sind und wer wir wirklich sind. Dann fallen alle Zweifel ab, die man sonst in unserem Blick sehen würde, weil wir uns selbst bewusst sind. Wenn wir frei von Ängsten, Zweifeln und Stress sind, dann verjüngen und entspannen wir unseren Körper und unser Gesicht. Das macht nicht nur jung und schön, sondern hält uns auch seelisch und körperlich gesund. 

 

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, wie stolz ich auf meine Mama bin, die, von mir unterstützt und motiviert, schon seit Jahren ihre Naturhaarfarbe trägt. Und ich finde sie damit einfach nur toll! Mehr mutige Frauen braucht die Welt!

 

Alles Liebe, 

Simone xx

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Kommentare: 2
  • #1

    Mama (Mittwoch, 29 August 2018 14:31)

    Ich danke Dir für Deine Liebe, mein Engel, und ich bin unendlich stolz auf Dich, meine weise wunderbare Tochter!

  • #2

    Nadja (Mittwoch, 29 August 2018 22:20)

    Wieder hast du wunderbare Worte gefunden und sie mit Liebe und Mut zur Selbstliebe gefüllt. Du hast genau meine Gedanken getroffen und auch ich heiße die Reife willkommen und möchte sie nicht unter dem vorgetäuschten jugendlichen Mantel verstecken . Ich bin dankbar gesund zu sein und nehme das was kommt an und begrüße es . Lachfalten, Blässe, von der Sonne geküsst, grau , struppig, matt ganz egal wenn wir es mit Liebe betrachten . Liebe Grüße kleines Erdenkind , Schwester in Gedanken