Vom Sammeln und Ausmisten

Im Prinzip haben alle von allem viel zu viel. Wenn man sich Zuhause mal ganz bewusst umguckt, dann findet man so viele Dinge, die man seit Jahren nicht mehr benutzt, getragen oder in der Hand gehabt hat. Sie schlummern im Keller, auf dem Dachboden, ganz hinten im Schrank, in Kisten, in irgendwelchen Ecken. Das alles ist sehr belastend. Nicht unbedingt bewusst, aber unbewusst. Auf einem Keller voller alter Dinge zu leben ist nicht besonders gut und kraftspendend. Der volle Dachboden drückt von oben auf uns. Die vielen Dinge um uns herum engen uns ein. 
Vielleicht sagst du jetzt "Davon merk ich nichts". Aber unbewusst fühlen wir es schon. Auch, wenn es dir im Moment nicht bewusst ist. Mir wurde das alles auch erst so richtig klar, als ich wieder mal alles in Kisten packen wollte um umzuziehen. Wenn man dann schon einen Laster für eine Person braucht, sollte es einem zu denken geben. Oder man mal in sich hinein fühlen. Brauche ich das alles wirklich?

 

Ich brauchte das alles so überhaupt gar nicht! Nachdem ich drei Jahre lang in einer schönen Altbauwohnung in der Stadt gelebt hatte, ging ich eines Sonntag morgens zum Brunch zu Freunden. Lief nur Strassen entlang, kaum Bäume. Da fragte ich mich, ob das mein Leben sein sollte?! Mein Bruder lebte in Australien und nach meinem ersten Besuch dort war mir schon klar gewesen, dass das Leben, was ich lebte, nicht mir entsprach. Meine Seele sich gar nicht entfalten konnte. Nach diesem ersten Besuch kündigte ich meine Stelle in Süddeutschland und entschied mich, mich erst mal körperlich und seelisch zu erholen. Wie ich schon so oft geschrieben habe, fing damit alles an. Ich hatte mehrere Stationen, aber an dem besagten Sonntag Morgen dachte ich an Australien, an Byron Bay, an all die Weite, das entspannte Leben dort im Einklang mit der Natur. Da wusste ich, du musst raus aus der Stadtwohnung! Ich kündigte meine Wohnung und flog für zweieinhalb Monate nach Australien. Eine heilsame Reise, die sehr stark zu meiner Selbstfindung beigetragen hat.

 

Als ich zurück kam, sah ich das Leben noch viel deutlicher vor mir. Dass, was ich wollte und dass, was ich nicht wollte. Ich hatte ein Zimmer nur für Klamotten. Eine drei Meter zwanzig hohe Wand zu mit Kleidern, Schuhen, Accessoires. Nach Farben und Formen sortiert. Ich wusste gar nicht mehr, wie ich da noch Herr der Lage werden sollte. Ich liebte Flohmärkte und Second Hand Läden. Von diesen Streifzügen stammte fast alles, was ich hatte. Herrliche Blusen mit Stickereien und siebziger Jahre Plateau Schuhe. Tolle antike Kleider aus Seide. Alles wunderschöne Unikate. Aber ich sehnte mich so sehr nach Freiheit, dass ich alles anfing auszusortieren. Sachen, die ich verkaufen wollte, Dinge zum Spenden und die, die ich behalten wollte. Ich schleppte Taschen voll aus der Wohnung. Jeden Tag mehrere voll. Bis das Zimmer so gut wie leer war. Es gab sogar einen Mädchen Flohmarkt in meiner Wohnung! Jede Freundin nahm Sachen mit. Ich war so glücklich am Ende. Selbst meine Möbel hatte ich zum Teil verkauft. Teure Designer Lampen und Sofa und Stühle. Dinge, die mir eigentlich gar nichts bedeuteten. Auf die man nur aufpasste, dass bloß nichts dran kam, weil sie so teuer gewesen waren. 

In den zweieinhalb Monaten in Australien hatte ich nur ein Zimmer, wo eine Matratze auf dem Boden lag und einen Kinderschreibtisch ohne Stuhl gehabt. Und war so glücklich gewesen, wie nie zuvor.

 

Ich möchte gar nicht sagen, dass wir nichts haben sollen. Das wäre auch gar nicht gut. Denn wir alle haben Dinge, schöne Dinge um uns herum, die uns etwas bedeuten. Die wir lieben. Und die sollen wir auch gerne behalten. Es macht Freude sie anzuschauen, sie zu tragen, sie zu benutzen, sie anzufassen. Sie sind kleine Wegbegleiter. Aber ich habe festgestellt, dass ich wirklich mit sehr wenig auskomme. Denn nach meinem Auszug ging ich in keine neue Wohnung. Ich hatte eine Lagerbox gemietet, wo alles, was ich behalten wollte rein kam. Immer noch viel zu viel. Als wir alles drin hatten und das Tor zu war, sagte ich meinem Vater. "Verschenk den Schlüssel! Ich will nichts mehr."

 

Ich wollte zurück nach Australien. Aber dazu kam es letzten Endes nie. Mehrmals war ich noch dort. Aber durch mein Geschäft konnte ich nicht weg. Seitdem lebe ich mit wenigen Dingen im Haus meiner Eltern. Reduziert auf ein Minimum. 

Ich habe eine Kommode vom Sperrmüll, die ich mit der schönen Farbe von Painting the Past angestrichen habe. Meine Kristallsteine. Meine Federn, Steine, Stöcke. Alles, was ich draußen aufhebe, weil es mir besonders ins Auge springt. Ich trage die Kleider, die ich noch habe, aus der Zeit meiner Kollektion. Ich kaufe nur, wenn ich wirklich was brauche. Außer es ist ein schöner Ring mit Türkisstein. Wie jetzt gerade, den ich im Kleiderkreisel entdeckt habe. Für ganz kleines Geld. Solange ich für meine Streifzüge draußen genügend Outdoor Sachen habe, bin ich froh. Und wenn ich eben mal etwas entdecke, was mir gefällt, dann gönne ich es mir. Aber zumüllen, dass mache ich nicht mehr. Oder einfach etwas kaufen, um des Kaufen willens. Nein. Das erlaubt mein Budget nicht und mein sozusagen nicht vorhandenes Budget hat mich noch viel mehr gelehrt alles zu überdenken. Wir sollen niemals leiden und uns nichts verbieten. Aber ganz ehrlich, wer braucht auch fünf verschiedene Geschirre, ständig neue Klamotten und all diese schrecklichen Deco Sachen? So vieles davon lebt nur für kurze Zeit bei uns. Weil dann wieder was Neues dran ist. Ich bin froh, wenn mein Kleiderschrank Luft hat. Wenn ich Platz habe. Platz für kleine Wünsche und Träume. Luft zum Atmen. Wer wenig hat, der hat keine Lasten zu tragen. Der kann fliegen. 

 

Hinzu kommt, dass vieles Alte auch leider mit alten Geschichten und alten Gefühlen und manchmal auch unschönen Erinnerungen belastet ist. Deswegen fragt euch immer, will ich das wirklich behalten? Will ich mich immer daran erinnern, wenn ich es sehe, anfasse, trage? Fühlt es sich gut an? Manches hat seine Zeit. Und dann lässt man es los. Das heißt nicht, dass wir alles wegwerfen sollen. Auf gar keinen Fall! Es gibt so viele Möglichkeiten seine Dinge los zu werden. Und je weniger wir haben, desto weniger Müll produzieren wir oder desto weniger gibt es abzugeben. Du kannst Dinge verschenken, tauschen, verkaufen. Es gibt so viele Möglichkeiten und Plattformen, wo man dies machen kann. Großer Aufwand ist es auch nicht. Nicht immer muss man viel dazu schreiben. Ein paar gute Bilder reichen oft aus.

 

Wenn du nur noch wenige Lieblingsteile um dich hast, wirst du merken, wie leicht und frei du dich fühlst. Ich habe damals vor Freude getanzt. Und tue es heute noch, wenn ich mal wieder aufgeräumt habe. Noch immer habe ich "alte" Kisten, die noch aufgemacht und aussortiert werden wollen. Was du heute nicht magst, kann morgen schon jemand anderes total glücklich machen. Wenn man diesen Lebensstil einmal hat und beibehält ist es ganz leicht. Das Leben ist dann um einiges leichter!

 

Am Schluss möchte ich aber noch mal sagen: Alles, was wir nicht kaufen, dämmt die Produktionen ein. Und das spart dann Müll auf Mutter Erde. Bevor die Erde kollabiert, wollen wir doch lieber mal inne halten und kurz nachdenken. "Brauche ich das wirklich?"

 

Alles Liebe, 

Simone xx

 

Mein letzter Tipp:

Wenn du lange Zeit nicht ausgemistet hast und dann eine große Befreiungs-Aktion hinter dir hast, räuchere im Haus ein wenig mit Salbei und Weihrauch. Oder auch mit Frankincense. Das schafft energetisch neuen Platz!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0